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You are under arrest / Part 1

  • Sep. 13th, 2007 at 7:40 PM
Cornflake
2:43 Uhr.
Die Straßen sind ruhig.
Bis auf einen Besoffenen, der nicht mehr nach Hause fand, gab es in der heutigen Nacht keine besonderen Vorfälle.
Ennis del Mar sitzt in seinem Streifenwagen und trinkt gelangweilt an seinem bereits kalten Kaffee. Neben ihm auf seinem Sitz liegt ein halber Donut mit Himbeerglasur.
„Del Mar…“, rauscht es aus dem Funk.
„Ist alles ok bei Dir?“
Ennis verdreht die Augen.
Greift nach dem Mikro und pfeift einmal laut hinein.
„Hey, Du Arschloch.
Willst Du, dass mir hier die Ohren abfallen?“, schnauzt ihn die Stimme am anderen Ende an.
Ennis kann sich ein schadenfrohes Lächeln nicht verkneifen.
„Alles easy hier…“, brummt er und starrt aus dem Wagen auf eine der Straßenlaternen um die mehrere Motten fliegen.
„Das ist das Letzte Mal, das Du nachts alleine auf Streife gehst, ist das klar?
Ab Morgen bekommst Du einen Kollegen.“
„Brauche niemanden…“, knurrt Ennis. „Bin lieber alleine.“
„Fick Dich, Del Mar.
Brauchst gar nicht so den Helden zu spielen.
Jeder hat einen Partner.
Und ab Morgen bekommst auch Du einen.
Anweisungen des Chefs.“
Ennis dreht den Funk aus und lehnt sich zurück.
Er hat kein Interesse an jemandem, der ihn die ganze Nacht voll quatschte.
Er liebt die Ruhe und kommt mit dem paar Betrunkenen und randalierenden Jugendlichen auch gut alleine zurecht.
Leise verflucht er Aguirre, den Häuptling des Polizeipräsidiums und kurbelt das Fenster seines Wagens herunter.
„Rauchen im Dienstfahrzeug ist strengstens verboten…“, zitiert er seinen Chef und zündet sich lächelnd eine Zigarette an.
„Du kannst mich mal, Aguirre.
Und auf Deinen tollen Partner kann ich auch verzichten.“
Zufrieden mit sich selbst, inhaliert er den Rauch und bläst ihn in die dunkle Nacht hinaus.



An diesem Morgen hatte er einfach kein Glück.
Nicht nur, dass er im wahrsten Sinne des Wortes mit dem falschen Fuß aus dem Bett gestiegen war, auf dem kleinen Läufer ins Rutschen kam und sich den Knöchel stieß.
Nicht nur, dass er sich die Zunge am Kaffee verbrühte und die Milch, die eigentlich über seinem Müsli landen sollte, geschickt auf der Tischdecke verteilte.
Nein, auch waren seine Wohnungsschlüssel seltsamerweise nicht dort, wo er sie gestern Abend hingelegt hatte.
Einer seiner Schnürsenkel riss.
Sein Gummibaum hatte sein drittletztes Blatt gelassen.
Und das Duschwasser war, nun ja, lauwarm wäre noch übertrieben.
Nun sitzt der junge dunkelhaarige Mann in seinem Auto und starrt fassungslos auf den Unfall vor sich und den umgefahrenen Hydranten, der nun hemmungslos und ununterbrochen sein kaltes Wasser auf seine Umgebung niederlässt.
Er schaut auf seine Armbanduhr.
Noch 15 Minuten.
Er würde es nie im Leben schaffen.
Ein weiteres Mal streicht er mit klammen Fingern über seine neue Uniform und prüft seine Haare im Rückspiegel.
Nach drei Minuten wendet er seinen Wagen und lässt ihn in einer Parklücke stehen.
Er ruft sich ein Taxi heran und springt auf die Rückbank.
"81. Revier bitte! Bitte beeilen Sie sich, wenns geht, ja?"
Er sieht nach vorne, um sicher zu gehen, dass ihn der Fahrer verstanden hat.
Der alte Inder lächelt ihn mit mehr Lücken als Zähnen freundlich an und winkt ihm beruhigend mit der Hand zu.
Der junge Mann atmet tief durch und versucht seine Aufregung soweit wie möglich runter zu fahren.
Hoffentlich würde sein Leben jetzt nicht immer so verlaufen, wie der bisherige Morgen, denkt er sich und beobachtet die vorbeiziehenden Menschen, in der Stadt, die niemals schläft.



„Del Mar. Was zum Teufel tust Du hier? Hat Dir die Arbeit heute Nacht nicht gereicht?
Kannst Du nie genug bekommen? Du bist ein beschissener Workaholik, weißt Du das?
Schaff Dir Frau und Kind an. Damit Du endlich mal eine Aufgabe hast…“, raunt ihn sein Kollege Bluster an, als er an diesem Morgen das Büro betritt.
Kopfschüttelnd stellt er seinen Kaffee und die Packung Donuts auf seinen Schreibtisch, als er von Ennis keine Antwort bekommt und lässt sich gähnend auf seinen Stuhl fallen.
„Was machst Du denn da?
Bist Du etwa immer noch an diesem Fall dran?
Mein Gott, del Mar.
Das ist jetzt Jahre her.
Vergiss es und kümmere Dich gefälligst um aktuelle Probleme.“
Er schnappt sich das klingelnde Telefon und beobachtet Ennis weiterhin, wie er in eine Akte vertieft sich irgendwelche Notizen auf ein Blatt Papier macht.
„Wir schicken jemanden raus, Mam.
Natürlich.
Machen Sie sich keine Sorgen.
In zehn Minuten ist jemand bei Ihnen.“
Bluster knallt den Hörer auf und zündet sich eine Zigarette an.
„Ein perfekter Fall für unseren Neuen.
Wo ist er eigentlich?
Das fängt ja schon super an.
Gleich am ersten Tag zu spät!“
Genervt starrt Bluster auf die Uhr und nimmt einen großen Schluck an seinem Kaffee.
„Und Du, sieh zu, dass Du nach Hause kommst.
Hast noch eine lange Nacht vor Dir.
Den Neuen schicke ich Dir heute Abend mit.
Der kann heute direkt mal zwei Schichten übernehmen.
Damit er sieht, dass es hier ordentlich zur Sache geht.
HAHAHA!“
Er schmeißt Ennis einen Donut rüber und macht sich daran, die heutigen Papiere zu bearbeiten.



Der Dunkelhaarige springt aus dem Taxi, zahlt schnell und spurtet rüber zum Polizeigebäude.
Er setzt sich seine Mütze auf, streicht noch einmal über seine Uniform, klemmt sich seine Tasche unter den Arm und atmet tief durch.
Er öffnet die große Glastür und betritt freudestrahlend das Gebäude.
Wie in einem Ameisenhaufen wimmelt es hier nur so vor Uniformierten.
Er versucht jedem einzelnen freundlich anzulächeln, die ihm begegnen.
Doch jeder scheint entweder mürrisch oder schlecht gelaunt zu sein.
Denn niemand grüßt ihn zurück.
Jeder wirkt gehetzt und in Eile.
Aber das kann man Polizisten ja nicht wirklich übel nehmen.
Eher im Gegenteil, man sollte froh sein, dass sie sich um die Bürger dieser Stadt bemühen.
Vielen der an ihm vorbei ziehenden Männer und Frauen raunt er ein Guten Morgen zu, doch er bekommt keine Antwort oder einen Dank.
Er geht zu einer Art Informations-Tresen.
„Guten Morgen, mein Name ist …“
„Was wollen Sie?“
„Ich suche Mr. Aguirre.“
„Für dich Jungchen immer noch Captain Aguirre.“
„Ja, Verzeihung, Sir, wo kann ich den Captain finden, er erwaret mich?“
„Den Gang entlang vorletzte Tür auf der linken Seite.“
„Danke Sir.“
„Mmhh!“
Der junge Police Officer geht den gezeigten Gang entlang.
Ein weiterer Kollege kommt ihm entgegen.
Er ist so groß, wie er selbst, hat ebenbso breite Schultern nur seine Hüften sind schmaler.
Dazu kringeln sich unter seine Mütze ein paar widerspenstige blonde Locken.
„Morgen!“ sagt er im Vorbeigehen.
Doch wieder erntet er ein schweigendes Nichts.
Er geht weiter den Gang entlang und steht vor der angegebenen Tür.
Er blickt den Flur zurück und sieht wie der Polizist von eben sich ebenfalls umdreht und ihn ansieht,
Er hebt reflexartig die Hand zum Gruß, doch da ist der andere auch schon verschwunden.
„TWIST!“ brüllt es aus dem Büro vor ihm.
Und der junge Mann wundert sich, wie der Captain wissen kann, dass er vor der Tür steht.
Twist klopft und betritt das Büro.
„Sie sind zu spät.“
„Ja, Sir, ich …“
„Kommen Sie mir nicht mit irgendwelchen Ausreden.
Mir scheißegal, ob das heute Ihr erster Tag ist oder nicht.
Selbst wenn Ihre beschissene Großmutter heute Morgen einen Schlaganfall hatte und Sie sie ins verfickte Krankenhaus bringen mussten, ist mir das SCHEIßEGAL, verstanden?“
„Scheißegal! Vestanden, Sir!“
Aguirre guckt hoch.
„Sie denken wohl Sie sind ein ganz Cleverer, was?“
„Nein, Sir.“
„Ich dulde es genau ein einziges Mal, dass Sie zu spät kommen.
Und das war heute.
Sollte es noch einmal passieren, sind Sie wieder draußen.“
Twist steht bewegungslos mit verschränkten Händen auf dem Rücken im Büro und schaut an die Wand neben dem Captain.
„John E. Twist jr.
26 Jahre.
1,82 m.
84 kg.
Ledig.
Aus … dem verfickten Wyoming, na Hallelujah!
Und frisch von der Polizeischule.
Ich kann mein Glück kaum fassen!“
„Ja Sir, ich auch nicht.“
Aguirre kommt auf ihn zu und drückt ihm den Finger auf die Brust.
„Ich kann Sie jetzt schon nicht ausstehen, Twist!
Wehe, Sie machen mir Ärger!“
Aguirre geht zurück an seinen Schreibtisch und setzt sich wieder hin.
„Sergant Bluster wird Sie heute einweisen.
Haben Sie schon Ihre Dienstwaffe?“
„Nein, noch nicht, Sir.“
„Man sollte Ihnen auch keine geben.
Sind doch alle schießwütig in ihrer Heimat, scheiß Cowboys.“
„Sir, ich bin kein …“
„Sie werden heute Abend eine Extra Schicht machen.
Dann wird Ihnen auch Ihr Partner zugeteilt.
Der wird sein Glück noch viel weniger fassen können als ich.“
Ruhe herrscht im Raum.
John E. Twist jr. genannt Jack steht still im Raum.
„Worauf zum Teufel warten Sie?
Verschwinden Sie aus meinem Büro!“
Jack dreht sich um und greift zum Türknauf.
„Eins noch, Twist.
Partner sein bedeutet, dass Sie alles tun werden, was Ihr Partner von Ihnen verlangt.
Sie werden sich gegenseitig nicht aus den Augen lassen.
Wenn er kackt, dann werden Sie auch kacken gehen.
Wenn er Verstärkung anfordert, werden Sie ihm den Rücken decken.
Wenn er Sie um einen Kaffee bittet, dann fragen Sie mit Milch oder Zucker.
Und wenn mir auch nur eine Beschwerde über Sie zu Ohren kommt.
Dann werde ich Sie in ein Parkhaus verfrachten, wo Sie Ratten hinterherjagen können.
Verstanden soweit?“
„Ja, Captain Aguirre!“
„Machen Sie, dass Sie rauskommen!“



Ennis verlässt schlecht gelaunt das Polizeipräsidium und macht sich auf den Weg nach Hause.
Schon seit über einem Jahr beschäftigt ihn dieser eine Fall und lässt ihn nicht mehr los.
Jede freie Minute hockt er über der Akte und brütet über dem Verbrechen, das ihm schlaflose Nächte und zahlreiche Albträume beschert.
Er befragt Zeugen zum hundersten Male immer in der Hoffnung, noch irgendwelche Erinnerungen in ihnen zu wecken, die zur Ergreifung des Täters führen oder wenigstens einen Anhaltspunkt liefen würden.
Ennis knüllt seinen leeren Papp-Kaffeebecher in seiner Hand zusammen und schmeißt ihn in einen Mülleimer, an dem er vorbei kommt.
Er tritt eine Dose auf dem Boden wütend zur Seite und stampft die Straße entlang.
„Ennis!!!
Ennis!!
Warte!“, schreit auf einmal eine junge, weibliche Stimme hinter ihm, die dem mürrischen Polizisten sofort verrät, wer da so aufgeregt nach ihm ruft.
Er bleibt stehen.
Verdreht die Augen und wartet, bis die klackenden Stöckelschuhe ihn erreicht haben.
„Ich hab dich im Büro schon gesucht, aber wir haben uns wohl gerade verpasst.“
„Wie schade…“, knirscht Ennis leise zwischen seinen Zähnen hervor und dreht sich zu seiner Kollegin um.
„Was meinst Du?
Hast Du was gesagt?“
Ennis schüttelt den Kopf und sieht sie fragend an.
„Wie geht es Dir?“
„Gut, Lurreen.
Hervorragend.“, lügt er und versucht sich ein Lächeln aufzuzwingen.
Die blonde Frau vor ihm grinst über das ganze Gesicht.
„Das ist schön!“, strahlt sie.
„Ich wollte Dich nämlich fragen, ob Du am Wochenende vielleicht…“
„Nein.“
„Du weißt doch noch gar nicht…“
„Ich hab am Wochenende keine Zeit.“
„Ach komm schon, Ennis.
Du musst auch mal rauskommen.
Da läuft ein spannender Film im Kino.
Ich dachte, wir könnten vielleicht…“
Ennis beißt sich auf die Zunge, um nicht auszusprechen was der denkt.
Lureen ging ihm schon nun seit fast einem halben Jahr auf den Keks.
Immer wieder hatte er sie vertröstet und ein Treffen auf ein anderes Mal verlegt.
Dann aber immer wieder abgesagt.
Irgendwie tut sie ihm leid, aber anscheinend war sie zu dumm um zu verstehen, dass Ennis wirklich kein Interesse an ihr hatte.
„Lureen“, sagt er mit ernster Stimme.
„Ich gehe nicht gerne ins Kino, ich…“
„Ich könnte Dir auch etwas kochen.
Ich bin zwar keine gute Köchin, aber vielleicht…?“
„Danke, ich glaube nicht, dass…“
„Also dann am Samstag um 8?“
„HUH?“
„Wie schön.
Ich freue mich, Ennis.
Machs guuuut!“
Sie tippelt und tänzelt gut gelaunt davon und lässt den erstarrten Polizisten einfach stehen.
Knurrend ballt er seine Hände zu Fäusten.
Ennis HASST Gesellschaft und der Gedanke daran heute Abend einen Kollegen in seinem Auto sitzen zu haben, macht ihn noch wütender.
„Na, warte…“, brummt er und weiß schon jetzt, dass der Neue seine geballte Ladung schlechte Laune abbekommen wird.



Jack sitzt an seinem neuen Schreibtisch und versucht sich an dem Bericht über die Lärmbelästigung von heute Morgen.
Dreimal hat er den Bogen aus der Schreibmaschine rausgenommen und zusammengeknüllt in die Ecke geworfen.
Er hätte wirklich nicht gedacht, dass im Zeitalter des Computers, es tatsächlich noch Menschen gibt, die mit der Schreibmaschine arbeiten würden.
Aber wie sein Kollege Bluster ihm mitteilte, wird er sich spätestens heute Nacht nach der Doppelschicht daran gewöhnt haben.
Denn die Berichte haben immer noch am selben Tag abgefasst zu werden.
Jack tippt:
Mrs. Goldberg zeigte den Beamten den Weg zum Gebaude ...
"Mist!" flucht Jack laut.
Sein Finger sucht automatisch nach der Delete-Taste.
Wütend zieht er wieder das Papier heraus.
Er seufzt, setzt sich in seinem Stuhl zurück und blickt sich um.
Es ist Mittagszeit.
Überall bilden sich kleine Grüppchen, die zusammen Kaffee trinken und zu Mittag essen.
Nur er sitzt an seinem Schreibtisch und scheint als einziger zu arbeiten.
Einen Versuch würde er sich noch geben.
Er legt ein Papier ein, zieht die Spule zurecht und beginnt zu tippen:
Mrs. Goldberg zeigte den Baemten ...
"Verfluchter Scheiße!" bricht es aus ihr heraus.
Er hebt beschwichtigend die Hände, zu den umstehenden Kollegen, die ihn anstarren.
Er zieht das Blatt Papier heraus und zerreisst es.
Ganze acht mal.
Dann nimmt er sich sein Thunfisch-Sandwich und seine Cola light und macht sich daran, Arbeit Arbeit sein zu lassen.
Und sich seine wohlverdiente Mittagspause zu gönnen.
Genüsslich beißt er in sein Sandwich und beginnt zu kauen.
"TWIST!"
Jack zuckt zusammen und stößt seine Cole um.
Einige Akten kriegen etwas ab.
Er spingt vom Stuhl und versucht mit Taschentüchern zu retten, was noch zu retten ist.
"TWIIIIIST!!!!"
"Ja, Captain!" sagt er, nachdem er den Bissen runtergeschluckt hatte.
"Wie in DREI-TEUFELS-NAMEN kann es angehen, dass eine gewisse Miss Alma an meinem Telefon ist, und SIE SCHWACHMAT sprechen will?????
Oh nein, Twist, verzeihen Sie, sie will nicht Sie sprechen, sondern ihr Hasi-Bärchen!!!!!!"
Jack wird puterrot.
Alma muss die Nummer des Reviers in seinen Unterlagen gefunden haben, denkt er sich.
"Sir, ich dachte ich könnte für Notfälle ..."
"Es interessiert mich einen SCHEIßDRECK, was Sie dachten, Twist!
Ich habe ihr gesagt, dass Sie sie zurückrufen, WENN SIE NICHT AUS VERSEHEN BEIM MITTAG UMGEBALLERT WERDEN!!!!!"
Jack fängt an zu grinsen.
Er kommt sich wie in einer Zeichentrickserie vor.
"Finden Sie das komisch, Twist?"
"Nein, Sir."
"Denken Sie, Sie können ungestraft über mich lachen?"
"Nein, Sir."
Jack versucht die Fassung zu bewahren.
Doch seine Mundwinkel zucken immer wieder nach oben.
Aguirre greift nach einem Block und einem Stift und drückt dies Jack in die Hände.
"Sie werden jetzt bis heute Abend Strafzettel verteilen.
Mindestens 200 Stück."
"Aber Sir, wenn doch gar nicht ..:"
"Ah ah ah ah. Ich will nichts mehr hören."
Aguirre zieht ab.
Jack kann die Tür seinen Büros zuknallen hören.
Dann brechen die Kollegen in gröhlendes Gelächter aus.
Jack lässt sich in seinen Stuhl sinken.
Schmeißt das Sandwich weg und trinkt den Rest der Cola.
Schlimmer kanns wohl kaum noch kommen, denkt er sich.



Zornig geht Ennis schnellen Schrittes weiter und verflucht lauthals sein Auto, das schon seit 3 Wochen kaputt ist.
Die Reparatur würde an die 500 Dollar kosten.
Auspuff ist in der Mitte durchgebrochen.
Zu rostig und alt.
Motor verliert Öl.
Irgendwo ein Leck.
Wütend reißt Ennis den Ast eines kleinen Apfelbaumes ab, an dem er vorbei kommt und erntet prompt Geschrei der Gartenbesitzerin.
„So eine Unverschämtheit!“, kreischt sie, ohne Ennis gesehen zu haben.
Schreiend läuft sie aus ihrem Schrebergarten auf die Straße.
„Ich rufe die Polizei, die wird ihnen mal zeigen, wo es…“
Mit offenem Mund bleibt sie stehen und sieht auf den uniformierten Apfelbaumschänder.
Sie stampft auf den Boden.
Schnaubt einmal laut und dreht sich hoch erhobenen Hauptes um.
„Wenn ihr Chef das erfährt, sind sie gefeuert“, schimpft sie, während sie ins Haus eilt um wahrscheinlich direkt 911 zu wählen.
Ennis´ Laune hat mittlerweile den Tiefpunkt erreicht.
Seine Stirn ist in Falten gelegt.
Seine Mundwinkel zeigen im rechten Winkel nach unten.
Und sein rechtes Auge zuckt verdächtig, während seine Halsschlagader nervös vor sich hin puckert.
Knurrend und brummend geht er weiter.
Tritt aus Versehen in einen Hundehaufen.
Und droht wie eine Rakete in die Luft zu gehen.
Er schabt seine Schuhsohle am Bordstein ab.
Meckert und jammert leise vor sich hin.
Und sieht nicht, dass sich von weitem ein Truck nähert, der gefährlich nahe am Bürgersteig und somit an der riesigen, schlammigen Pfütze genau vor Ennis entlang fährt.
Es kommt, wie es kommen muss.
Der Truck beschleunigt.
Trifft das Schlammloch zielsicher.
Und feuert die Ladung direkt auf Ennis´ Uniform.
Die Wassermassen fegen ihm die Mütze vom Kopf, die daraufhin auf die Straße fliegt und von einem Motorradfahrer platt gewalzt wird.
„VERDAMMTE SCHEISSE.
SO EINE MISTKACKE.
IHR KÖNNT MICH ALLE MAL!!!“, schreit er so laut, dass sich alle Leute zu ihm umdrehen und ihn sowohl skeptisch, als auch amüsiert betrachten.
Ennis stampft schreiend auf die Straße.
Kratzt die Überreste seiner Mütze vom Asphalt und würde vor Wut am liebsten losheulen.
Er sieht an sich herunter.
Seine grüne Uniform ist jetzt braun und riecht nach Motoröl und… Ennis möchte gar nicht weiter drüber nachdenken.
Er setzt sich die kaputte Mütze auf.
Und geht mit hängendem Kopf nach Hause.
Was für ein Tag.



Als Jack im Begriff ist, den 56. Strafzettel zu schreiben, ist er mit seinem Ergebnis schon sehr zufrieden.
Ihm war gleich klar, dass Aguirre mit der Zahl 200 nur einen Scherz gemacht hatte.
Denn so viele Strafzettel wären an einem Tag unmöglich zu schaffen.
Doch Aguirre und Scherze, das passt irgendwie nicht zusammen.
So überhaupt nicht.
Und je länger Jack darüber nachdenkt, desto gruseliger wird ihm bei dem Gedanken, wenn es tatsächlich mal dazu kommen sollte, dass sich auf das Gesicht des Captains ein Lachen stehlen würde.
Unbewusst schüttelt er sich und widmet sich wieder seiner Arbeit.
Dieser 56. Strafzettel hatte es wahrlich in sich.
Jack war schon auf dem Weg zurück ins Revier, als ihm etwas ins Auge stach.
Ein 54er Firebird.
Nachtschwarz-mettalic mit orange-gelben Flammen an den Flanken.
Ein wahrer Hingucker.
Chromfelgen, dass man nur vom Hinsehen blind wird.
Nur leider parkte dieser Schlitten vor einem Hydranten.
Außerdem war die Parkuhr nicht gefüttert worden.
Jack spitzt den Stift und schreibt ein saftiges Bußgeld auf.
Er kommt nicht umhin, mit einem teuflischen, selbstgefälligen Lächeln den Strafzettel unter die Windschutzscheibe zu klemmen.
Zufrieden vor sich her pfeifend geht er zurück zum Revier.
An seinem Schreibtisch angekommen lässt sich erschöpft auf seinen Stuhl fallen.
Seine Füße tun weh und er genießt einen Moment der Ruhe.
Erst ein paar Stunden im Dienst und doch horchen seine Ohren auf, als die Tür von Aguirres Büro zugeknallt wird.
Blitzschnell setzt er sich in eine aufrechte Position und schreibt schnell ein paar Worte auf ein wichtig aussehendes Dokument, als Aguirre an ihm vorbeigeht.
Ohne zu grüßen oder sich zu verabschieden, aber auch ohne ein gehässiges Wort marschiert Aguirre aus dem Revier in den Feierabend.
Jack will den Gedanken nicht zulassen, dass er sich fast einen lustigen Spruch seines Chefs gewünscht hätte.
Er streckt wieder alle Viere von sich und döst eine Weile.
Und wie das mit Wünschen so ist, sollte man immer vorsichtig damit sein, was es ist.
„TWIST!!!! Sagen Sie mal, schlafen Sie etwa??????“
Jack schreckt aus seinem Stuhl hoch.
„Nein Sir, habe nur nachgedacht.“
„Lassen Sie das gefälligst!“
„Sir, haben Sie nicht schon Feierabend?“
„Ja, den hätte ich gerne.
Aber irgendein abgewichster Bekloppter hat mir einen Strafzettel verpasst.
MIR.
MEINEM FIREBIRD!“
Jack prustet aus Versehen los.
Er sieht, wie Aguirre seinen Strafzettel zu einer kleinen Kugel zusammenknüllt, sich in den Mund steckt, ein paar Mal genüsslich drauf herumkaut und ihn dann verschluckt.
„Twist, wie kann es angehen, dass Sie die Polizeischule absolviert haben?
Und das auch noch mit Auszeichnung, wie meine blutenden Augen mir mitteilten.
WENN SIE ZU BLÖD SIND, STRAFZETTEL AUSZUSTELLEN!!!!!!“
Wutschnaubend verlässt der Captain wieder das Revier.
Jack bleibt resigniert zurück.
Bereits jetzt sehnt er sich sein Bett herbei.
Doch wie ihm bereits mehrmals klargemacht wurde, hatte er als Frischling eine Doppelschicht zu schieben.
Und er wagt eine Hoffnung aufkeimen zu lassen, dass es nur noch besser laufen kann.



Endlich, endlich, endlich zu Hause angekommen (und das ohne weitere, peinliche Vorkommnisse) würde Ennis am liebsten die Haustüre eintreten.
Aber er reißt sich zusammen.
Kramt den Schlüssel aus der Tasche seiner mittlerweile schmutzverkrusteten Uniform und schafft es nach mehreren Versuchen, ihn endlich ins Schlüsselloch zu stecken.
Die Türe geht quietschend auf.
Stoppt wie immer kurz, weil der Teppich eine Beule hat.
Und geht mit einem weiteren festen Stoß endlich ganz auf.
Seufzend steht Ennis im Flur und atmet tief durch.
Obwohl es vielleicht nicht den Anschein macht und man es von Ennis nicht vermuten würde, ist er ein unglaublich ordentlicher Mensch.
Er hält zwar nicht viel von Schnick Schnack.
Kitsch.
Und irgendwelchen Dekosachen.
Aber seine Wohnung ist stilvoll eingerichtet und es fehlt an nichts.
Alles ist sauber.
Aufgeräumt.
Und hat seinen festen Platz.
Während Ennis in die Küche geht, zieht er seine Uniform aus und lässt alles erst einmal alles im Flur liegen.
Er öffnet den Kühlschrank, holt sich ein Dr. Pepper heraus und trinkt es in einem Zug aus.
Nur noch in Shorts bekleidet, trottet er ins Bad und geht heiß duschen.
Das Treffen mit Lureen lässt ihn nicht mehr los und er ärgert sich, dass er nicht den Mut dazu hatte, ihr ein für alle Mal klar zu machen, dass er nichts von ihr möchte.
Eigentlich möchte Ennis von niemandem etwas.
Seine letzte Beziehung lag 3 ½ Jahre zurück und dauerte genau 4 Tage.
Danach hatte sie es nicht mehr ausgehalten.
War von Ennis´ schlechten Launen genervt.
Beschimpfte ihn als Griesgram.
Und verschwand.
Für immer.
Ennis ist nicht der Mensch, der sein Leben gerne mit anderen teilt.
Und doch gibt es Zeiten, an denen er sich vor allem abends (wenn er nicht gerade Nachtschicht hat) wenigstens ein bisschen Gesellschaft wünschte.
Dann ging er in die Kneipe und kam vor ein paar Tagen auf die Idee, sich irgendwann mal eine Katze anzuschaffen.
Aber das hatte Zeit.
Tropfend verlässt er die Duschkabine und ärgert sich über den großen Riss in der Duschwand.
Er beschließt, am Samstag in den Baumarkt zu fahren und eine neue zu besorgen.
Er trocknet sich ab.
Hebt im Flur die dreckigen Klamotten auf und steckt sie in die Waschmaschine.
Aus dem Schrank holt er seine Zweituniform und hängt sie an die Garderobe.
Er verzichtet darauf, sich was zu Essen zu machen.
Legt sich aufs Sofa.
Stellt seinen Wecker und ist innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen.
TBC</lc-cut>

Comments

[info]acquaalta wrote:
Sep. 13th, 2007 05:45 pm (UTC)
Und gleich noch einer!!!
Jetzt willst dus aber wissen, was ... *gg
[info]cornflake2912 wrote:
Sep. 13th, 2007 05:49 pm (UTC)
Du bist aber auch wieder schnell wie eine Rakete !!
[info]eandj wrote:
Sep. 14th, 2007 06:01 am (UTC)
Hey sehr gut geschrieben. Mir gefällt die Geschichte schon jetzt.
Paula
[info]maria47 wrote:
Sep. 14th, 2007 07:36 am (UTC)
Hi,
gefällt mir gut. Witzig und eine explosive Mischung. Wie kommt's, dass Lureen blond und mit Ennis und Alma mit Jack zusammen ist? Künstlerische Freiheit? OK :)

Hoffentlich kommt bald ein update, wobei ich nicht zu unverschämt sein will, das Kapitel war schön lang.

Grüße
Maria
[info]cornflake2912 wrote:
Sep. 14th, 2007 07:40 am (UTC)
Danke für die lieben Kommentare :)
Ich freue mich, dass Euch die story gefällt :)
Und mal eine kleine Änderung mit Lureen und Alma fanden wir lustig :) Ihr werdet sehen, was daraus wird *g*

LG!!
corny
( woof-woof )